Egg

Die Küche ist warm. Der Eierlöffel aus Perlmutt ist rosa. Er schwebt in der Luft.
Liegt leicht und noch entspannt in seiner Hand.
Das brummen des Kühlschranks verfällt von Zeit zu Zeit in ein Knarren.
Es entsteht der Eindruck der Löffel pulsiert im Rhythmus des Kühlgeräts.
Er saust nieder, der Löffel. Knack. Die harte Schale des Eis zerspringt.
Ihr Blick haftet auf dem Ei. Erwartungsvoll erstarrt.
Seine Hand pult die schuppenartigen Plättchen vom po-weich-weißen Eierfleisch.
Er schaut ihr in die Augen, grün mit braunen Flecken, tigerartig starren sie zurück.
Dann bohrt er bestimmt, in höchster Anspannung das rosa Perlmutt in das gummihafte Ei. Gelb läuft der Dotter den Löffeln entlang den Becher am Rand, dann am Mundwinkel. Kieferknochen zerdrücken mit wenig Anstrengung das Gelee.
„Hmmmmm“ Seufzendes Brummen im Einklang mit dem Kühlgerät.
Sie lächelt. Er lächelt. Er isst. Sie schaut.
Nach dem Frühstück klirren die Teller. Sie räumen die Geschirrspülmaschine ein. Im Hintergrund läuft das Radio. „Was machen wir heute Ingrid“ fragt er mit sanfter Stimme. Doch sie ist nicht da, weit weg in Bergen voll flüssigem Dotter.
Sie liegt am Boden. Ein Zucken gleitet durch ihre Glieder. Erschrocken erstarrt greift er sie, schüttelt sie. Setzt sie auf. Er rennt zum Telefon. Dann gießt er ihr einen Eimer mit kaltem Wasser über den Kopf.
Als die Sanitäter eintreffen sitzt er wieder am Tisch.
Sie sitzt am Boden nass triefend in eine Decke gehüllt.
Sie wollen sie mitnehmen, die Sanitäter. Aber das lässt er nicht zu.
Die Sanitäter gehen und er reibt Ingrid mit einem Tuch trocken. Er nimmt sie auf den Arm trägt sie durch die Tür, vorsichtig ohne sie anzustoßen, wie bei ihrer Hochzeit.
Das feuchte weiße Tuch liegt auf ihrem nackten Körper.
Meine Braut denkt er zärtlich. Sie schaut ihn an tief grün ihr Blick, so liebevoll. Ingrid küsst ihn. So warm sind ihre Lippen.
Er denkt an das warme gelbe Dotter. Ihre Lippen, ihr lebendiger Körper nah bei seinem.